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Selbst-Checks bei Hashimoto: Was dir dein Körper verrät

SophieSophie· Zertifizierte Gesundheits- & Ernährungscoachin· Veröffentlicht am 1. August 2026· 6 Min. Lesezeit
Ruhepuls Messung, Temperaturmessung bei Hashimoto

Von den ersten Symptomen bis zu meiner Diagnose sind zehn Jahre vergangen. Zehn Jahre, in denen meine Werte immer wieder Signale gesendet haben. Ein erhöhtes TSH, niedrige Schilddrüsenhormone, ein Ungleichgewicht in den Sexualhormonen, niedriges Ferritin, immer wieder auffällige Entzündungswerte im großen Blutbild. Trotzdem hat niemand einen Zusammenhang gesehen.

Was mir damals gefehlt hat, war das Wissen, wie ich meinen Körper selbst beobachten kann. Zusammen mit deinen Blutwerten ergeben deine eigenen Beobachtungen oft ein Bild, das klarer ist als jeder einzelne Wert.

Ich möchte dir hier sechs einfache Selbst-Checks zeigen, die du zu Hause machen kannst. Sie ersetzen keinen Bluttest, aber sie helfen dir zu verstehen, wo dein Körper gerade steht.

Bevor du startest

Was diese Checks können und was nicht

Selbst-Checks sind ein Werkzeug, um deinen Körper besser kennenzulernen. Sie sind keine Diagnose. Auffällige Werte bedeuten nicht automatisch, dass deine Schilddrüse geschwächt ist. Sie können viele Ursachen haben.

Was diese Checks aber gut können: Sie zeigen dir Muster über die Zeit. Sie machen dich aufmerksam. Und sie geben dir konkrete Beobachtungen, die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen kannst.

Miss über mehrere Tage hinweg, nicht nur einmal. Ein einzelner Wert sagt wenig aus. Erst die Wiederholung zeigt dir ein verlässliches Bild.

Basaltemperatur

Deine Körpertemperatur am Morgen

Die Basaltemperatur ist die Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen, bevor du dich bewegst oder aufstehst. Sie kann ein Hinweis auf deine Schilddrüsenfunktion sein, weil eine unteraktive Schilddrüse deinen Grundstoffwechsel drosselt und damit auch deine Körpertemperatur.

Der Test geht auf Broda Barnes zurück, einen amerikanischen Endokrinologen, der ihn 1942 entwickelt hat. Nach Barnes liegt der gesunde Bereich zwischen 36,6 und 36,8 Grad. Werte darunter können auf eine geschwächte Schilddrüsenfunktion hindeuten. Werte darüber können auf eine überaktive Schilddrüse hinweisen, aber auch auf einen beginnenden Infekt, einen Eisprung oder eine chronische Entzündung im Körper. Die Basaltemperatur allein ist deshalb keine Diagnose.

Miss über sieben Tage und bilde den Durchschnitt. Ein einzelner Wert schwankt zu stark. Bei Frauen kommt dazu, dass die Basaltemperatur im Zyklus schwankt. In der zweiten Zyklushälfte, nach dem Eisprung, liegt sie natürlicherweise 0,3 bis 0,5 Grad höher. Miss deshalb in der ersten Zyklushälfte, idealerweise vom zweiten bis zum fünften Tag nach Beginn deiner Periode.
So misst du: Thermometer neben dein Bett legen. Direkt nach dem Aufwachen, bevor du aufstehst, unter der Zunge messen. Wert notieren. Über sieben Tage machen und den Durchschnitt ausrechnen.

Ruhepuls

Puls im Ruhezustand messen

Dein Ruhepuls sagt viel über deinen Zustand. Ein sehr niedriger Ruhepuls unter 60 kann auf eine Unterfunktion deiner Schilddrüse hindeuten, weil auch dein Herz langsamer arbeitet. Ein zu hoher Ruhepuls über 80 kann ebenfalls ein Signal sein, aber mit anderer Ursache.
Bei mir war es genau umgekehrt. Ich hatte lange einen Ruhepuls um die 90, dazu einen zu hohen Blutdruck von 140 zu 110. Nicht weil meine Schilddrüse überaktiv war, sondern weil mein Stresssystem chronisch überlastet war. Cortisol treibt den Puls und den Blutdruck nach oben. Chronische Entzündungen tun das Gleiche.

Heute liegt mein Ruhepuls bei 60 und mein Blutdruck bei 120 zu 80. Der Unterschied kam durch meine Ernährung, meine Nervensystemarbeit und die Zeit, die ich meinem Körper gegeben habe.
So misst du: Morgens direkt nach dem Aufwachen, bevor du aufstehst. Zwei Finger an die Innenseite deines Handgelenks oder an den Hals legen. 60 Sekunden zählen. Über mehrere Tage wiederholen und den Durchschnitt bilden.

Wichtig ist die Abweichung von deinem Normalwert, nicht nur der absolute Wert. Ein Ruhepuls von 90 ist auffällig nach oben. Ein Ruhepuls von 50 ist auffällig nach unten. Beide sind ein Signal, das Aufmerksamkeit verdient.

Verdauung

Deine Stuhlform nach der Bristol-Skala

Deine Verdauung sagt viel über deinen Körper aus. Die Bristol-Stuhlskala ist ein Werkzeug aus der Gastroenterologie, das Stuhlformen in sieben Typen einteilt.

Typ 1 sind harte, einzelne Kügelchen. Typ 2 ist eine wurstförmige, aber klumpige Masse. Typ 3 ist wurstförmig mit Rissen an der Oberfläche. Typ 4 ist glatt und weich wie eine Schlange. Typ 5 sind weiche Klumpen mit klaren Rändern. Typ 6 ist breiig. Typ 7 ist flüssig.

Als gesund gelten Typ 3 und 4. Alles, was härter oder trockener ist, deutet auf eine träge Verdauung hin. Bei Hashimoto ist genau das häufig, weil eine geschwächte Schilddrüse deine Darmbewegung verlangsamt. Alles, was weicher oder flüssiger ist, kann auf eine gereizte Verdauung oder eine Unverträglichkeit hindeuten.

Beobachte über eine Woche, welcher Typ bei dir überwiegt. Wenn du dauerhaft bei Typ 1 oder 2 liegst, ist das ein Hinweis, dass dein Körper Unterstützung braucht.

Urinfarbe

Deine Hydration im Blick

Die Farbe deines Urins ist ein einfacher, aber verlässlicher Hinweis auf deine Hydration. Hellgelb bis strohfarben ist gut. Das bedeutet, dein Körper hat genug Flüssigkeit und Mineralstoffe.
Dunkelgelb bedeutet meistens, dass du zu wenig getrunken hast oder zu viel Flüssigkeit über Schwitzen verloren hast. Ganz klar wie Wasser kann darauf hindeuten, dass du zu viel trinkst und deine Mineralstoffe verdünnt sind.

Achte auf den mittleren Urin des Tages, nicht auf den ersten Morgenurin. Der ist immer dunkler, weil er über die Nacht konzentriert wurde. Das ist normal und kein Zeichen von Dehydration.

Kälteempfindlichkeit

Kalte Hände und Füße als Zeichen

Kalte Hände und kalte Füße gehören zu den häufigsten Zeichen einer geschwächten Schilddrüse. Weil dein Grundstoffwechsel gedrosselt ist, produziert dein Körper weniger Wärme. Deine Extremitäten sind die Ersten, die das spüren.

Beobachte über einige Tage, wie deine Hände und Füße sich anfühlen. Sind sie oft kalt, auch wenn andere sich wohlfühlen? Frierst du früher als andere? Wickelst du dich schon in warme Socken, wenn andere noch barfuß laufen?

Das sind Hinweise, die zusammen mit anderen Zeichen ein Bild ergeben. Alleine sagen sie nicht viel, weil kalte Hände auch andere Ursachen haben können.

Energiekurve

Dein Energieverlauf über den Tag

Wie deine Energie über den Tag verläuft, sagt viel über deinen Körper. Ein gesunder Verlauf sieht so aus: Du wachst ausgeruht auf, hast am Morgen und Vormittag klare Energie, ein leichtes Nachmittagstief zwischen 14 und 16 Uhr ist normal, am Abend kommst du zur Ruhe und schläfst gut ein.

Bei Hashimoto ist dieser Verlauf oft gestört. Häufige Muster sind: Du wachst schon müde auf und brauchst lange, um in den Tag zu kommen. Oder du hast am Morgen ein Loch und wirst erst am späten Vormittag wach. Oder du kommst abends nicht runter und hast Einschlafprobleme, obwohl du erschöpft bist.

Ich hatte damals einen widersprüchlichen Zustand. Innerlich hochgefahren mit hohem Puls und Blutdruck, gleichzeitig aber müde, abgeschlagen und wie taub. Das passt zu einem chronisch überlasteten System, in dem das Stresssystem läuft, aber die Zellen keine Energie mehr bekommen. Wenn du dich darin wiedererkennst, weißt du, dass du damit nicht alleine bist.
Führe über eine Woche ein einfaches Energie-Tagebuch. Notiere morgens, mittags, nachmittags und abends auf einer Skala von 1 bis 10, wie deine Energie ist. Du wirst Muster sehen.

Zum Schluss

Diese Checks sind ein Anfang, keine Diagnose

Diese sechs Selbst-Checks ersetzen keinen Bluttest und keine ärztliche Diagnose. Was sie aber tun, ist dir zu helfen, deinen Körper besser kennenzulernen und Muster zu erkennen.
Wenn du auffällige Werte bei mehreren Checks hast, ist das ein Signal, das du ernst nehmen darfst. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Bring deine Beobachtungen mit. Du wirst überrascht sein, wie hilfreich das für ein gutes Gespräch ist.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt.

Sophie

Sophie · Zertifizierte Gesundheits- & Ernährungscoachin

Ich begleite Frauen mit Hashimoto auf dem Weg zu mehr Energie und Wohlbefinden im Alltag – einfühlsam, strukturiert und an ihrer Seite.

  • Zertifizierte Gesundheitscoachin
  • Ernährungsberaterin
  • Weiterbildung Schilddrüsengesundheit

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Ich stelle keine Diagnosen und führe keine Heilbehandlungen durch.